Grundsatzerklärung der »Kritischen Einzelhändler« zu den Plänen für die »Neue Mitte«
Um die innerstädtische und einzelhändlerische Infrastruktur der Stadt zu fördern, hat sich die Stadtspitze entschlossen, den Weg für die Entwicklung eines Einkaufscenters freizumachen.
Zu diesem Zweck soll Sonae Sierra, eine Tochtergesellschaft des portugiesischen Mischkonzerns Sonae SGPS, die sich schwerpunktmäßig mit der Entwicklung von Einkaufszentren befaßt, die Möglichkeit erhalten, mitten im Herzen der Innenstadt ein Shoppingzentrum mit etwa 25.000 qm - das sind 2,5 Hektar - Verkaufsflächen zu errichten.
Die Stadt hat sich wiederholt darauf berufen, dass eine solche Maßnahme vom Fürther Einzelhandel und den Fürther Bürger und Bürgerinnen nahezu einhellig begrüßt würde.
Dem widersprechen wir. Für die stadtpolitischen, denkmalschützerischen und sozialpolitischen Aspekte der Kritik verweisen wir auf die Überlegungen und Vorschläge der Bürgerinitiative »Eine bessere Mitte für Fürth«.
Unser Anliegen ist es, die wirtschaftlichen Konsequenzen des Vorhabens in den Blick zu rücken.
-
Die Infrastruktur: 12.000 qm sind genug
Wir stimmen der Einschätzung zu, daß Fürth sein Potential als Einzelhandelsstandort weit besser ausspielen kann, als es derzeit der Fall ist.
Wir sind allerdings der Überzeugung, daß die gewaltsame und verspätete Anpassung Fürths an das gleichförmige Erscheinungsbild der umliegenden Einkaufsstädte der falsche Weg ist, den Einzelhandelsstandort Fürth nachhaltig zu stärken. Vielmehr ist es nötig, die Infrastruktur so auszubauen, daß die Diversität und der Spezialisierungsgrad des Fürther Einzelhandels weiter gefördert werden. Wenn also die Stadt den Standort wirklich zukunftsorientiert und nachhaltig entwickeln will, kann es nur eine Lösung für die Einrichtung eines Shoppingcenters geben. Das Center muß nach Größe und Struktur so beschaffen sein, daß es im Interesse des Betreibers liegt, sich in den bestehenden Einzelhandel zu integrieren. Außerdem ist darauf zu achten, daß das Stadtbild seine charakteristischen Züge behält, denn ein Einkaufsstandort ist mehr als die Summe seiner Verkaufsflächen!
-
Der Wettbewerb: 3 Höfe sind besser als 1 Klotz
Aus zahlreichen Studien ist bekannt, daß die Einrichtung von autarken Centern oder Mega-Centern den Wettbewerb zerstört.
Das ist auch ohne wissenschaftliche Rückendeckung einleuchtend. Wenn sich in den geplanten Größenordnungen Verkaufsflächen und Resourcen (Parkplätze) in so zentraler Lage ballen, werden sich die Kundenströme zwangsläufig auf das Center konzentrieren. Gerade wir als Einzelhändler wissen, daß die Kunst des Verkaufens damit beginnt, die Verweildauer des Kunden im eigenen Geschäft zu verlängern. Wer diese einfache Grundregel nicht beherzigt, wird sich schwer tun, mit Erfolg im Einzelhandel zu bestehen. Die Vorstellung, daß die Kunden nach oder vor dem Centerbesuch die Stadt und ihre restlichen Geschäfte erkunden, ist naiv und widerspricht jeder Erfahrung. Wenn also die Stadt den Standort wirklich zukunftsorientiert und nachhaltig entwickeln will, muß das Center nach Größe und Struktur so beschaffen sein, daß der Kunde Anlaß und Gelegenheit hat, das Gebäude im Verlauf seines Einkaufes auch wieder zu verlassen. Nur wenn die Kundenströme durch die Stadt geführt werden, wird die Stadt als Ganzes von einer solchen Einkaufsanlage profitieren können.
-
Die Bauzeit: 2 Jahre + x = schlimm + x²
Niemandem ist mit schönrednerischen Prognosen gedient. Dieses Bauprojekt wird die gesamte Innenstadt in Mitleidenschaft ziehen.
Fußwege werden nicht begehbar sein, Fahrwege werden für den Verkehr gesperrt oder werden nur eingeschränkt nutzbar sein, der öffentliche Nahverkehr wird umgeleitet. Baustellenfahrzeuge, Maschinen, Abraum, Baumaterial werden sich auf engstem Raum drängen. Lärm und Schmutz werden die Szenerie beherrschen. Alle innerstädtischen Einzelhändler werden Probleme mit ihrer Belieferung bekommen, alle innerstädtischen Einzelhändler werden nur eingeschränkt erreichbar sein. Uns allen werden Umsatzzahlen und Kundenfrequenz wegbrechen. Das wird auch den robustesten Unternehmen schwer zusetzen, für viele wird bereits die Bauzeit existenzbedrohlich.
Die Stadtspitze ist entschlossen, uns all dieses zuzumuten. Wir wären schlechte Kaufleute, wenn wir nicht danach fragten, was für uns dabei der Gewinn sein soll. Wenn wir also wollen, daß sich diese Stadt zukunftsorientiert und nachhaltig entwickelt, dürfen wir dem Vorhaben so lange nicht zustimmen, bis sicher gestellt ist, daß sich die Rahmenbedingungen für den örtlichen inhabergeführten Einzelhandel substantiell verbessern.
Der Fürther Einzelhandel kann es sich nicht leisten, den Kopf in den Sand zu stecken! Wir haben auch keinen Grund dazu.
Wir leisten hier in Fürth etwas, das viele Menschen schätzen, und das unsere Kunden auch nicht missen wollen. Wir bieten unseren Kunden Sortimentsvielfalt, Kompetenz, Ambiente, Menschlichkeit und Professionalität und müssen echten Wettbewerb wahrlich nicht scheuen. Gerade deshalb ist es an uns, dafür zu sorgen, daß ebendieser Wettbewerb nicht verzerrt wird, daß auch unsere neuen Kunden nicht auf die Stärken des Fürther Einzelhandels verzichten müssen.